Das Saaletal bei Jena ist geologisch geprägt von Muschelkalk-Schichten, die von quartären Lockersedimenten überlagert werden – eine Kombination, die im Erdbebenfall zu unerwarteten Resonanzeffekten führen kann. Genau hier setzt die seismische Mikrozonierung an, bei der die mittlere Scherwellengeschwindigkeit bis 30 Meter Tiefe (VS30) den entscheidenden Kennwert liefert. Die DIN EN 1998-1/NA:2021-07 stuft den Standort Jena in die Erdbebenzone 1 ein, aber lokale Verstärkungen durch weiche Auelehm- und Lössböden sind nicht selten. Unsere MASW-Messkampagnen entlang der Saale-Aue haben wiederholt VS30-Werte unter 300 m/s aufgezeigt, was direkte Auswirkungen auf das Antwortspektrum und die gewählte Bauwerksklasse hat. Für Gründungen auf den Kalkstein-Rücken westlich der Stadt registrieren wir hingegen regelmäßig Werte über 800 m/s – ein Unterschied, den die reine Kartenauswertung oft verschleiert.
Ein VS30-Wert unter 300 m/s in der Saale-Aue bedeutet für Tragwerksplaner: Antwortspektrum Typ 2 nach DIN EN 1998-1 – mit Konsequenzen für das gesamte Gründungskonzept.
Häufige Fragen
Was kostet eine MASW-Messung in Jena?
Für eine aktive MASW-Messung mit 48 Geophonen und Auswertung inklusive VS30-Bericht liegen die Kosten je nach Profillänge und Zugänglichkeit zwischen €1.380 und €2.600. Passive ReMi-Messungen oder kombinierte Profile mit Refraktionsseismik erhöhen den Aufwand entsprechend.
Wie lange dauert es vom Messtermin bis zum Bericht?
Die Feldmessung selbst nimmt je nach Profilanzahl einen halben bis einen ganzen Tag in Anspruch. Die Auswertung der Dispersionskurven und die Inversionsmodellierung liefern wir innerhalb von 5 Werktagen – bei dringenden Projekten auch beschleunigt in 48 Stunden.
Welche Baugrundklasse ergibt sich aus der VS30-Messung?
Die DIN EN 1998-1 definiert die Klassen A (VS30 über 800 m/s) bis E (unter 180 m/s). In Jena treffen wir in der Saale-Aue häufig Klasse C oder D an, auf den Muschelkalk-Rücken dagegen Klasse A oder B. Der Bericht enthält die exakte Klassifikation und das resultierende elastische Antwortspektrum.
Kann MASW auch auf beengten innerstädtischen Grundstücken gemessen werden?
Ja, die lineare Auslage mit 48 Geophonen erfordert zwar rund 100 Meter freie Strecke, wir können das Profil jedoch flexibel um Hindernisse legen oder auf kürzere Arrays mit engerem Geophonabstand ausweichen. Die passive ReMi-Methode kommt sogar mit einer einzigen Aufstellung aus und ist ideal für beengte Verhältnisse in der Jenaer Altstadt.
Reicht eine MASW-Messung für das Baugrundgutachten aus?
Die MASW liefert das Scherwellenprofil und die Baugrundklasse – für ein vollständiges Gutachten sind jedoch zusätzlich Aufschlussbohrungen oder schwere Rammsondierungen erforderlich, die wir mit unserer SPT-Bohrung kombinieren. Erst die Korrelation von seismischen Geschwindigkeiten mit Sondierergebnissen ergibt ein belastbares geotechnisches Modell.