Jenas industrielle Entwicklung vom Zeiss- und Schott-Standort zur modernen Technologieregion hat die Anforderungen an Verkehrsflächen massiv verändert. Die schweren Lasten des innerstädtischen Lieferverkehrs und die Frequentierung von Logistikflächen im Göschwitz-Park erfordern eine Bemessung starrer Fahrbahnen, die über die Standardnachweise hinausgeht. Der Muschelkalk-Untergrund im Saaletal – an der Camsdorfer Brücke aufgeschlossen – liefert zwar oft tragfähige Horizonte, reagiert aber empfindlich auf Wasserzutritt und Auslaugung. Unsere Nachweise berücksichtigen die Plattengeometrie, den Schichtenverbund und das Langzeitverformungsverhalten unter zyklischen Radlasten. Die Interaktion mit dem Unterbau prüfen wir über den Plattendruckversuch direkt auf dem Planum und nach jeder Verdichtungslage.
Die Bettungsmodul-Bestimmung vor Ort verhindert Überdimensionierung: In Jena variiert der Verformungsmodul Ev₂ je nach Verwitterungsgrad des Muschelkalks zwischen 80 und 180 MN/m².
Normativer Rahmen
DIN EN 13877-1:2013-06 – Fahrbahnbefestigungen aus Beton – Teil 1: Baustoffe, Bauausführung, DIN EN 13877-2:2013-06 – Fahrbahnbefestigungen aus Beton – Teil 2: Funktionale Anforderungen, RStO 12 – Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen (FGSV 499), DIN 18134 – Plattendruckversuch, Bestimmung des Verformungsmoduls, ZTV Beton-StB 07 – Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen für den Bau von Betonfahrbahnen
Häufige Fragen
Was kostet die Bemessung einer starren Fahrbahn für einen Logistikhof in Jena?
Die Honorarkosten für die vollständige statische Bemessung inklusive zweier Plattendruckversuche auf dem Planum liegen zwischen 1.880 und 4.910 Euro, abhängig von der Plattenfläche und der Anzahl der zu untersuchenden Schichten. Bei mehr als 3.000 m² zusammenhängender Fläche erstellen wir ein Pauschalangebot mit einer Baugrunduntersuchung nach DIN 4020 als Grundleistung.
Welche Plattendicke brauche ich für Gabelstaplerverkehr Klasse 5?
Nach RStO 12 wird für die Belastungsklasse Bk1,8 mit Gabelstaplern bis 8 t Eigengewicht eine Plattendicke von 240 bis 260 mm in C30/37 empfohlen, sofern der Untergrund einen Ev₂-Wert von mindestens 45 MN/m² aufweist. In Jena raten wir wegen der Frostempfindlichkeit der Keuperböden im Süden zu einer Frostschutzschicht von 45 cm Dicke unter der Betondecke.
Können starre Fahrbahnen auch auf bestehendem Asphalt aufgebaut werden?
Ja, die sogenannte Whitetopping-Bauweise auf alter Asphaltbefestigung ist zulässig. Voraussetzung ist eine ausreichende Resttragfähigkeit des Asphalts (Ev₂ ≥ 100 MN/m²) und ein schubfester Verbund über Aufrauung oder Haftbrücke. Wir prüfen die Höhenlage der Fugen zur Vermeidung von Reflexionsrissen aus dem Altbelag.
Welche Norm gilt für die Fugenausbildung in starren Fahrbahnen?
Die konstruktive Durchbildung der Fugen – Querscheinfugen, Raumfugen und Längsfugen – richtet sich nach der ZTV Beton-StB 07 in Verbindung mit dem Merkblatt Fugen in Betonfahrbahnen (FGSV). Entscheidend ist der Fugenspalt von 3 bis 4 mm bei Querscheinfugen und die zentrische Lage des Dübels auf halber Plattendicke mit Toleranz ±20 mm.